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Melasse in der Pferdefütterung

Bei Melasse handelt es sich um eine sirupartige, braune Flüssigkeit, die als Koppelprodukt bei der Zuckerherstellung entsteht. Es gibt Zuckerrüben- wie auch Zuckerrohrmelasse. Seit über 100 Jahren findet sie Verwendung in Futtermitteln, doch vielerorts hängt ihr - zu Unrecht (wie wir finden) - ein negatives Image an. Warum verwenden Futtermittelhersteller die ungeliebte Melasse überhaupt? Sie findet der Pferdefütterung aus verschiedenen Gründen Verwendung:

Sie ist reich an wertvollen Mineralstoffen und vielen sekundären Pflanzenstoffen. Zusätzlich wirkt sie als natürliches Konservierungsmittel der wertvollen Futterbestandteile und sorgt für die Bindung von Staubpartikeln im Futter. Wenn man auf chemische Konservierungsmittel verzichten will, bietet die Melasse einen hochwertigen Ersatz als natürliches Konservierungsmittel. Auch als Hilfsmittel bei der Pressung von Pellets findet die Melasse ihren Einsatz. Außerdem verhindert sie eine Entmischung der Einzelkomponenten von Müslifutter. Melasse hilft auch die geschmackliche Akzeptanz von weniger geschmackvollen Zusätzen,  wie Mineralstoffen und Bierhefe, ohne künstliche Aromen zu verbessern.

Wie viel Zucker enthält Melasse wirklich?

Ein gewisser Anteil an Zucker und Stärke als Nahrungsbestandteil ist für die Aufrechterhaltung lebensnotwendiger Stoffwechselvorgänge unerlässlich. Eine gänzlich zuckerfreie (kohlenhydratfreie) Ernährung ist nicht möglich! Tatsächlich enthält Melasse ca. 42 – 47 % Saccharose. Die Saccharose (Saccharide = Kohlenhydrate) gehört zu den Disacchariden (Zweifachzucker), welche einfach ausgedrückt aus den zwei Monosacchariden (Einfachzucker) Glucose und Fructose besteht. Durch die  Saccharose findet die natürliche und biologische Konservierung der Futtermittel statt. Sie ist ebenfalls als Kohlenhydrat in den verschiedenen Getreidesorten und auch in Karotten enthalten.

Die wertvollen Inhaltsstoffe der Melasse

Melasse enthält Sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole, welche als Antioxidans wirken und somit Körperzellen und vor allem auch die Insulinrezeptoren vor oxidativen Schäden schützen. Auch ihr Gehalt an Mineralstoffen und natürlichem, dreiwertigem Chrom ist hervorzuheben. Es mag eigenartig klingen, dass ausgerechnet Melasse zu den chromreichsten Futterkomponenten in der Pferdeernährung gehört, denn Chrom wirkt als Bestandteil des Glukosetoleranzfaktors der Insulinintoleranz entgegen, was die Gefahr einer Hufrehe mindern kann. Ein Mangel an Chrom wird auch im Zusammenhang mit der Entstehung von Diabetes und dem Equinen Metabolischen Syndrom diskutiert, denn Chrom scheint einen Einfluss auf die Verstoffwechselung von Stärke zu haben. Chromhefe wurde bereits wirksam zur Reduzierung chronischer Hufrehe bei Ponys eingesetzt. Das Auftreten des Tying up Syndroms (chronischer Kreuzverschlag) konnte bei Pferden mit einer Intoleranz gegen stärkereiche Rationen reduziert werden. Einen positiven Einfluss auf die nervliche Belastbarkeit und den Energiestoffwechsel gehören ebenso zum Wirkungsspektrum des Spurenelements Chrom. Die klassische Fütterung mit Heu, Hafer und Stroh kann den Bedarf des Pferdes an Chrom in keinem Fall decken.

Der praktische Einsatz der Melasse in der Pferdefütterung

Da immer mehr Pferdebesitzer den Einsatz von Melasse im Pferdefutter kritisch beurteilen, hat das Kentucky Equine Research (KER) 2012 einer kleinen Stichprobe von Pferden verschiedene Rationen aus Getreide mit und ohne Melasse gefüttert und anschließend ihr Blutzuckerspiegel gemessen. Es konnte festgestellt werden, dass der glykämische Index bei Rationen mit Melasse nur in Kombination mit Mais maßgeblich anstieg, bei den Rationen mit anderen Getreidesorten war dies nicht der Fall. Bei der Stichprobe wurde relativ viel Melasse (100 g) eingesetzt. Müsli- und Pelletfuttermittel enthalten in der Regel nur ca. 3 % Melasse. Bei einem Kilogramm entspricht das 30g Melasse (ca. 3 Esslöffel) in einem Kilogramm Müsli. In Relation zu anderen energiereichen Einzelkomponenten, die zu größeren Anteilen in Pferdefuttermitteln enthalten sind, ist Melasse somit nur in geringen Mengen vorhanden. Fett dagegen wird viel häufiger in größeren Mengen eingesetzt und liefert bis zu 2,25-mal mehr verdauliche Energie als die gleiche Menge Kohlenhydrate oder Proteine. Das gilt nicht nur für extrahierte Öle, sondern auch für Fett in Reiskleie.

Fazit

Anstatt geringe Mengen Melasse als Ursache für eine ungewollte Gewichtszunahme, das Equine Metabolische Syndrom, Hufrehe oder erhöhtes Temperament zu suchen sollte, man einen Augenmerk auf den Energiegehalt der gesamten Futterration inklusive Heu werfen. Gegebenenfalls sollte man die Fütterungsmenge anpassen, die Trainingsintensität steigern sowie die Haltungsbedingungen durch viel Bewegung optimieren. Bei der Pferdefütterung kommt es immer auf die Dosierung an, schon der Schweizer Arzt, Alchemist und Philosoph Paracelsus (1493-1541) sagte „… allein die Dosis machts, dass es kein Gift sei.“. So macht ein Zusammenspiel vieler Komponenten die Wertigkeit eines guten Futtermittels aus. Wenn wir Futtermittel ohne chemische Zusätze konservieren wollen, und die geschmackliche Akzeptanz ohne synthetische Aromen verbessern möchten, sollten wir geringe Mengen Melasse in Futtermitteln tolerieren.

Quellen: Kirchgeßner et al. (2011): Tierernährung, Landwirtschaftskammer NRW; Kentucky Equine Research (Molasses used in Horse Feed for Palatability and Energy, 2003; Supplements for Horses with Equine Metabolic Syndrome Researched, 2011; Using Molasses in Horse Feeds, 2012, Importance of Chromium in the Diet, 2013; Molasses in Horse Feeds , 2014; Chromium, an Important Micromineral for Horses, 2015); Meyer und Coenen (2014): Pferdefütterung

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Bevor ein neuer Futtersack darin untergebracht wird, muss die Tonne wieder vollständig abgetrocknet sein.
Ein Befall durch Futtermilben kann eingeschränkt werden, indem eine Schale mit Essig in der Nähe der Futtermittel aufgestellt wird. Milben meiden den sauren Essig. Und wenn man Nagetieren durch verschlossene Behälter den Zugriff auf die Nahrung erschwert, lassen diese sich auch seltener blicken

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